Freiburger (BaWü) aufgepasst!

am 18. Juli werdet Ihr vom Staat geweckt

Was besonders beklopptes hat sich die Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg einfallen lassen. Unter dem Motto ‘wenn der Milchmann zweimal klingelt’ will sie am 18. Juli den sog. zweiten Freiburger Bildungsüberfall durchführen und um 6 Uhr früh im Freiberger Stadtteil Weingarten die Leute aus dem Schlaf klingen um ihnen eine ‘informative Frühstückstüte’ und eine Milchpackung zu überreichen.

In Anlehnung an ein Zitat von Winston Churchill wollen freie Mitarbeiter der Landeszentrale den Menschen den Wert der Freiheit verdeutlichen – und rennen damit offene Türen ein. So meinen die politisch Gebildeten, die selbstverständlich gewordene Freiheit als Ursache, wahlweise von Politikverdrossenheit oder mangelnder Wahlbeteiligung, beklagen zu müssen. Denn, so erfährt der geneigte Leser ihrer Website, wird die Aktion deswegen im Stadtteil Weingarten durchgeführt, weil dort die niedrigste Wahlbeteiligung verortet wird. Und, was noch schlimmer ist, die Leute dort wählen nicht etwa brav CDU sondern die Republikaner (1,2%) und die Linkspartei (9%). Muss man sich mal vorstellen, 10,2% der Leute dort wählen nicht das was sie sollen.

Klar, dass da der Staat den Bürgern mal erklären muss, wie Demokratie funktioniert und dass das Angebot einer ‘Wahl’ doch nur dem schönen Schein dient. Wer sich die Mühe macht, die sog. didaktische Begründung für diesen Schwachsinn durchzulesen, wird tolle Sätze finden, die von einem recht eigenümlichen Demokratieverständniss sprechen:

Meinungs- und Versammlungsfreiheit, Wahlrecht und Menschenwürde sind keine Selbstverständlichkeit auch und gerade in Deutschland.

Achso? Richtig, die meinen wohl Dresden und Stuttgart, vielleicht auch Duisburg.

In unserem Alltagsleben spielen Einschüchterung und Repression zum Glück keine Rolle mehr.

Was dazu wohl  HarztIV Bezieher und Arbeitslose sagen?

Gerade in Deutschland dachte man im Nationalsozialismus und in der DDR beim Klingeln um sechs Uhr morgens nicht unbedingt an den Milchmann, sondern fürchtete sich, weil es vielleicht die Geheimpolizei in Form der GESTAPO (Geheime Staatspolizei) oder der STASI (Staatssicherheitsdienst) war.

Zum Glück ist es bei uns nicht so dass die Polizei früh um sechs Verhaftungen und Hausdurchsuchungen durchführt.

Zu vertraut ist es uns geworden, daß wir frei entscheiden können, was wir am Frühstückstisch lesen oder über welche Themen wir mit dem Hausnachbarn im das Treppenhaus diskutieren.

Und weil das nicht mehr lange so bleiben wird, kann man die Leute ja schon mal an das Gegenteil gewöhnen.

Dabei beruht die Begegnung mit Politik nicht immer auf dem Prinzip der Freiwilligkeit. Politik wird so präsentiert, dass die Menschen ihr nicht ausweichen können, sie werden sozusagen meuchlings gebildet.

Häh?

Ziel aller politischen Bildung muss sein, die Menschen zur kritischen Akzeptanz und, im Idealfall, zur Wertschätzung unserer Gesellschaftsordnung anzuregen.

Ahja, wenn sich die Herren Bildungsmeuchler mal die Kommentarspalten der Badischen Zeitung durchlesen würden, dann wüssten sie auch dass viele Menschen sich sehr wohl in kritischer Akzeptanz ihrer Rechte bewusst sind und diese sogar ausgesprochen schätzen. Aber wir alle haben uns wohl schon zu sehr daran gewöhnt dass für solchen Unsinn wie den VerblödungsBildungsüberfall regelmässig Steuermittel verbraten werden.

dfo