Der Rainer mag keine Linken. Die jammern nur rum und sind in letzter Zeit alle irgendwie so militant. Dabei leben wir in einem wunderschönen Land, in dem alles so schön ist, dass es einfach keine Alternative dazu gibt. Leider wollen die bösen Linken das nicht verstehen. Das kränkt den Rainer sehr. Deswegen, findet er, müssen die Linken überwacht werden. Eigentlich weiss er nicht recht, was Linke sind. Für ihn sind Linke sowas wie Neger oder Schlitzaugen. Damit kann man ganz viele Leute beschreiben, auch wenn sie aus vielen verschiedenen Richtungen kommen. Und so wie Neger und Schlitzaugen nicht so recht in die einfache Welt von Rainer passen, tun es Linke auch nicht. Was Rechte sind, weiss Rainer übrigens. Das sind Kumpels, die man aber nicht so nennen darf, weil andere, wahrscheinlich die blöden Linken, ihm das übelnehmen könnten. Rechte sind jedenfalls keine Terroristen. Linke schon, irgendwie.

Zur Überwachung von Linken werden neben diversen (tschuldigung Rainer: verschiedenen, verschiedenartigen, verschiedenerlei, vielerlei) Abhörmethoden auch verdeckte Ermittler eingesetzt. Das sind Arschlöcher, die man früher Verräter nannte und in denen der Rainer anständige Menschen sieht. Damit Rainer sich beim Sprechen nicht jedesmal verschluckt, werden die einfach V-Leute genannt. Leute klingt auch gleich viel kumpelhafter.

Leider fallen die Linken meist nur durch Forderungen nach sozialer Gerechtigkeit und Frieden auf. Das ist zwar für Rainer als Kettenhund seiner Herren schlimm, aber für die weniger geistig entwickelten seiner Gesinnungsgenossen reicht das blöderweise noch nicht aus, die Linken effektiv zu bekämpfen. Deswegen hat der Rainer sich was ganz dolles einfallen lassen. Was viel besseres als der blöde Friedrich mit seinem Computerdingsda. Seine V-Leute sollen endlich Straftaten begehen dürfen. Damit könnte man  dann die Linken wie früher unterwandern und denen sonst was in die Schuhe schieben, damit der deutsche Michel endlich wieder ein klares Feindbild hat und jemanden der ihn beschützt.

Blöder als Linke sind nur Ossis, auch wenn die sich oft überschneiden. Denn den Ossis kann man seit zwanzig Jahren regelmässig erzählen wie schlimm das mit der Stasi war, die ja jetzt alle Linke sind. Und das war auch schlimm mit der Stasi. Die scheiss Technik die die hatten, einfach erbärmlich. Die mussten noch in Wohnungen reingehen um Abhörtechnik anzubringen. Und dann waren die ja auch alle ideologisch verbrämt, nicht wie Rainers Kumpels die sich einfach nur ehrlich ihren Sold verdienen.

Der Rainer ist natürlich auch in einer Partei. Schon ganz viel lange. So lange, das er aufgehört hat über so komische Worte wie christlich oder demokratisch nachzudenken. Ist ja auch nicht nötig, schliesslich kennt er seinen Feind. Und die Linkspartei ist es, die vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Ja, Rainer, du lebst echt in einem wunderschönen Land.

dfo

Wie toll Privatisierung ist, bekommen manchmal auch die Handlanger des Establishments zu spüren:

Gelsenkirchen. Putenschnitzel mit Schimmelflecken und abgelaufene Schokoriegel sind rund 200 Polizisten beim Rosenmontagszug in Gelsenkirchen serviert worden. Die Gewerkschaft der Polizei ist entsetzt und fordert die Rückkehr zu Polizeiküchen. (Quelle: Der Westen)

Die Verantwortung für den anhaltend schlechten Zustand der Beamtenversorgung wird beim amtierenden Innenminister Ralf Jäger (SPD) gesucht, derweil die Abschaffung der Polizeiküchen von der konservativen Vorgängerregierung (schwarz/gelb) forciert worden ist.

Same procedure as evry year, oder wer es immer noch nicht mitbekommen hat, durch Privatisierung wird alles teurer, schlechter und unzuverlässiger. Niemals umgekehrt.

Kleines Beispiel gefällig? Der Dienstleister spart erstmal Geld und schickt Gammelware. Wer die verzehrt wird mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit krank. Muss zum Arzt. 10€ Praxisgebühr, Kosten für Diagnose und Behandlung, Medikamente. Dienstausfall. Der Dienstleister muss Ersatz erbringen (wenn das noch einer will) und wird angezeigt. Vielleicht kosten 200 Schnitzel im Grosshandel keine 50 Euro aber Gerichtsverfahren ziehen sich und kosten tausende Euro. Die von wem erbracht werden? Richtig, bis zur Urteilsfindung erstmal vom Steuerzahler. Und warum arbeitet der Dienstleister billiger als die Polizeiküche? Weil er an den Löhnen spart. Und wer von seinem Lohn nicht leben kann, geht wohin? Genau.

dfo

Bremer und Hamburger Polizisten dürfen sich demnächst über ein neues Spielzeug freuen. Ihr alter Gummiknüppel wird durch einen Teleskop-Schlagstock ersetzt. Das schreibt die TAZ.

Was auf den ersten Blick harmlos klingen mag, erweist sich beim genaueren Hinschauen als eine äussert bedenkliche, Demokratie und Freiheit gefährdende Entwicklung. Denn im Gegensatz zum alten Gummiknüppel, der laut Polizeipräsident Werner Jantosch ‘bei den Kollegen keine Akzeptanz gefunden’ hätte, kann der Teleskop-Schlagstock auch als tödliche Waffe zum Einsatz kommen.  Im weniger schlimmen Falle sind Quetschungen, Prellungen, Knochenbrüche und Frakturen wahrscheinlich. Ein brutales Upgrade der ohnehin nicht ausser Kritik stehenden, vom Volksmund ‘Knüppler’ genannten Beamten, das garantiert zu neuen Eskalationen führen wird.

Freilich darf man auch fragen ob es einen Zusammenhang gibt, zwischen seit Jahren schrumpfenden Beamtenzahlen und verbesserter, weil nun auch tödlicher, Ausrüstung. Oder zwischen dem allgemeinen Sparkurs gegenüber den Bedürftigen und steigenden Ausgaben für polizeiliche und militärische Ausrüstung.

Der Hamburger Bürgerrechtler Bedick formulierte seine Bedenken so:

[...] Vielmehr wird die Hamburger Polizei mit einer Waffe ausgerüstet, die im Gegensatz zum alten Gummiknüppel mit tödlicher Wirkung eingesetzt werden kann, ohne dass die gesetzlichen Einschränkungen für den tödlichen Waffengebrauch gelten.

Polizisten mit einem EKA würden faktisch in die Lage versetzt, “eine Art Todesstrafe sofort anzuordnen und sie sofort zu vollstrecken – und zwar fast nach freiem Belieben und auch fast ohne jedes Risiko. [...]

Sollte sich diese Einschätzung bewahrheiten, man wird es bei den nächsten politischen Demos beobachten können, dann ist dies ein weiterer Schritt zur Abschaffung der Demokratur Demokratie, denn eine derart bewaffnete Polizei wird vielen Leuten den Mut nehmen, ihren Ansichten auch durch die Teilnahme an Demos Ausdruck zu verleihen. Andere hingegen wird das neue Gewaltpotential provozieren so dass die Situation letztlich für alle Menschen gefährlicher wird.

dfo